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„Hallo, ich bin Ammonite und mehr oder weniger selbstverschuldet lande ich immer in der Gerontologie. Freut mich Sie kennen zu lernen“.

  „Hallo, ich bin Ammonite und mehr oder weniger selbstverschuldet lande ich immer in der Gerontologie. Freut mich Sie kennen zu lernen“. Das ist der Satz, mit dem ich mich inzwischen routinemäßig in jeder neuen Praktikumsstelle vorstelle. Er könnte nicht wahrer sein denn in neun von zehn Fällen werde ich für Stationen eingeteilt die irgendetwas mit der Betreuung, Bespaßung und Beratung von Menschen ab 55 aufwärts zu tun haben. Und lassen Sie mich ganz ehrlich sein, nie habe ich dabei interessanteres und unterhaltsameres Klientel kennengelernt: Arnie… …hieß eigentlich anders, wird aber aus Datenschutzrechtlichen Gründen unter obengenanntem Alias vorgestellt. Allmorgendlich der erste der mich begrüßte und mich, in Windelhöschen und Arnold Schwarzenegger-Pose in ein Gespräch über die Schönheit des klassischen Amerikanischen Männerkörpers verwickelte. Dabei war er gar kein Amerikaner, sondern Urschwabe und verlangte aus diesem Grund gerne und lautstark nach „another portion of...

Der Seelendackel

Herr R. War sehr gläubig. Aber nicht etwa römisch-katholisch, oh nein!- Herr R. Glaubte an Chakren, Auren und die Macht des guten alten Sandelholz-Rächerstäbchens gegen die zerstörerische Kraft eines Lungenkarzinoms im Endstadium. In seinem Tipi nahm er des öfteren Dämonenaustreibungen vor oder vollzog Fruchtbarkeitsriten für Freunde und Förderer des Schamanentums, für die er gerne einmal vollkommen entblättert bis auf eine beeindruckende Adlermaske mit echten Federn die Straßen seiner Heimatstadt unsicher machte. Und obwohl sich seine Nachbarn durchaus gestört fühlten, war dies nicht der Grund, warum Herr R. am heutigen Tag in der Psychiatrischen Aktutstation meines Lehrkrankenhauses vorstellig wurde. „Mein Erich ist tot, ich muss sterben“, Herr R. war auf dem Boden in sich zusammengesackt und wiege sich heulend vor und zurück. „Aber wer ist denn der Erich? Ihr Mann?“ versuchte ich Herr R. primär aus Empathie heraus, aber vor allem weil der Möchtegern-Indianer den Notausgang block...

Von Männern und Frauen

Es ist ein wunderschöner Tag in der Notaufnahme K1-Innere Medizin und Unfallchirugie. Ich bin auf dem Weg aus der Cafeteria hier gestrandet und plausche noch ein wenig mit einer Kollegin aus der Krankenpflegeschule, als plötzlich eine junge Frau, sich vor schmerzen krümmend, durch die absolut unpraktische Notaufnahmen-Drehglastür stolpert. Begleitet wird sie dabei von einem, ebenso jungen, Mann der auch, ähnlich einer besoffenen Hummel, erst mehrmals an eine der Scheiben dotzt bevor er es schafft, hinter ihr her zu stolpern. Augenblicklich springt meine Kollegin auf- medizinisches Fachpersonal lebt ähnlich Feuerwehrleuten nach dem Motto „Allzeit bereit“, und eilt der frischen Patientin mit einem Rollstuhl zur Hilfe. Nach kurzer Inspektion wird sie in die Kategorie „rot“ (absoluter Notfall) eingestuft, und qualifiziert sich somit für den hiesigen Premiumservice mit direktem Arzt- und Schmerzmittelzugang. Schnell stellt der Behandelnde Arzt Dr. H die absolut unerwartete Diagnose „a...

Geschichten ausm Erste-Hilfe-Kurs

Ich mache gerade meinen Führerschein. Dabei lerne ich nicht nur, dass Kinder, Senioren und andere Verkehrsteilnehmer grundsätzlich hochgradig unzurechnungsfähig sind oder wie man Nachbar‘s Porsche zerstört, sondern muss auch einen Erste-Hilfe-kurs absolvieren Das klingt erst einmal sehr nützlich. Ist es auch, wenn man bedenkt, dass unterlassene Hilfeleistung mit 356 Tagen Freiheitsentzug oder noch schlimmer: Einer Geldstrafe von bis zu 600€ bestraft werden kann. Deshalb: Besser beatmen lernen. Und so sitze ich an einem verregneten Samstagvormittag mit Paula, ihres Zeichens Medizinstudentin und seit 22 Jahren gestandene Sanitäterin in einem miefigen Konferenzraum im schönsten Hotel meiner Heimatstadt und versuche mir alles Wissenswerte über Druckverbände einzuprägen. Bei den daraufhin folgenden Praxisübungen hoffe ich, dass mir Igor der russische LKW-Fahrer der zurzeit als Aushilfe für Bofrost arbeitet und vorschlägt eine offene Bauchverletzung mit 100 Gorbatschow zu behandel...

Die perfekte Waffel

Neulich musste meine Schiene Waffeln backen. Um sie zu Wucherpreisen an die Unterstufenschüler zu verkaufen die, waffelaffin wie Kinder nun mal sind, so unser Abi finanzieren. Wir stellen damit das Musterbeispiel für einen gelungenen Generationenvertrag dar. Wilfirid Schreiber sollte sich ein Beispiel an uns nehmen. Und damit er und ihr alle das auch könnt, habe ich das Rezept für perfekte Waffel einmal aufgeschrieben. 1. Zutaten Mehl, Milch, Zucker und Eier im Verhältnis 2:2:1:10- wenn man beim zur Kasse schleppen einen Bandscheibenvorfall bekommt ist die Gesamtmenge genau richtig Backpulver. Damit das Gebäck später nach mehr aussieht als es eigentlich ist. Wie bei nem guten Push-Up. Eine Prise Salz. Oder zwei. Oder auch den Ganzen Salzstreuer. Je nach Restblutalkohol. Eine Flasche Amaretto. Gummibärchen Chloroform Butter. Ganz. Viel. Butter. Außerdem benötigt man noch diverse Waffeleisen, eine große Schüssel und willige Rührsklaven....

Menschen am Pool

Ich war im Urlaub. So wie 80% der Deutschen zwischen 0 und 99. Ich habe Rotwein getrunken, bin ein bisschen braun geworden und habe am Pool gelegen. Ziemlich viel am Pool gelegen. Weil wir in irgendeinem kleinen italienischen Kaff waren in dem es außer Trauben und Katzen nicht besondes viel gibt. Es sei denn man hat nen Führerschein oder Talent beim Fußballspielen. Hab ich beides nicht. Deshalb also: Pool. Und was macht man da so? Traditionellerweise setzt man sich eine Sonnenbrille auf, schnappt sich ein Buch und tut so als würde man lesen, während man eigentlich die Leute um einen herum beobachtet, sie in Kategorien steckt und dann später mit diversen Verwandten genüsslich über sie herzieht. Genau das habe ich gemacht und mir ein Paar der interssantesten Exemplare herausgesucht um sie hier kurz literarisch festzuhalten: Sweet home Alabama Eine Großfamilie im wahrsten Sinne des Wortes. Vier Erwachsene und zehn Kinder im alter von 1-30. Niemand wusste so genau wer da ...

Es ist wieder da

Es ist wieder da. Das Sommerloch. Kaum haben die Ferien begonnen sind alle ausgeflogen. Sogar die Bauarbeiter, die mir seit einem Jahr konsequent alle Facetten des Balkan-Pops und Deutschraps nahebringen sitzen jetzt bei Polka und Ćevapčići zuhause. Gestern kam die Ansichtskarte von Vladimir. Und nun ja, das ist seltsam, denn plötzlich ist alles so still. Die letzten paar Monate war Prüfungszeit und ich hatte eigentlich immer etwas zu tun. Doch seit einer Woche habe ich auf einmal 24 stunden Freizeit am Tag und das hinterlässt langsam aber sicher seine Spuren. Ich beginne über Dinge nachzudenken, an die ich normalerweise nicht eine einzige meiner grauen Zellen verschwenden würde. Zum Beispiel, ob es auch lesbische Nice Guys gibt. Oder wie viel ich verdienen könnte, würde  ich meinen Bruder einem gut betuchten Schah als Sklaven verkaufen (42.500$ & ein halbes Kamel). Außerdem verbringe ich ungesund viel Zeit auf Twitter und versuche mich mit 23-Jährigen Typen anzufreunden deren...